Kleine Materialkunde: Baumwolle und/oder Jersey

Kleine Materialkunde: Baumwolle und/oder Jersey

11. Februar 2012 3 Von Susanne Krauss

Nachdem ich gerade wieder in einem Blog darüber gestolpert bin und es bei DAWANDA gang und gebe ist, einen Stoff entweder als Baumwolle oder als Jersey zu bezeichnen, wird es wohl mal Zeit für eine kleine Lektion in Materialkunde bzw. Begriffserklärung:
Baumwolle ist das Material aus dem der Stoff hergestellt wurde, sagt aber nichts über seine Machart aus.
Ein Jersey ist jedoch die Machart, sagt aber noch lange nicht, aus welchem Material das beschriebene Stück gemacht wurde.
Will man den Stoff korrekt beschreiben, wäre also die Angabe von Material und Machart anzugeben. Leider sieht man das auch oft auf den Bildern nicht. Besonders bei Verkausangeboten bei Dawanda kann man kaum erkennen, ob der angebotenen Baumwollstoff gewebt oder gestrickt ist, was sowohl in der Eigenschaft als auch in der Verwendung ein beachtlicher Unterschied ist.
Was hier oft als Baumwolle bezeichnet wird, ist eigentlich ein gewebtes Stück, das eben aus Baumwolle besteht. Man nennt das auch Leinen-oder Leinwandbindung. (Es gibt auch noch Köper- oder Atlasbindung, was dann ein Muster ergibt).

Die Leinwandbindung ist meist starr, lässt sich also nicht dehnen und ist so besonders für Dekoartikel wie Tischdecken etc. geeignet. Bei gewebten Stoffen für Kleidung ist deshalb oft noch ein dehnbares Material eingearbeitet. Aber das würde hier zu weit führen und in den Etiketten von Herstellern muss dies sowieso angegeben sein. (Ich schreib das jetzt nur, weil ich gerade eine Strechjeans an habe, die zwar gewebt ist, sich aber trotzdem dehnen muss lässt)

In der Nahaufnahme ist es ganz genau zu erkennen: Der Stoff (hier aus Baumwolle) ist gewebt, auch wenn hier der Schußfaden über zwei Kettfäden geht.

Ein Jersey kann ebenfalls aus Baumwolle bestehen, ist aber in seiner Machart gestrickt und nicht gewebt.

Macroaufnahme eines Baumwolljerseys: hier kann man ganz genau sehen, dass der Stoff gestrickt ist

 Vorwiegend wird Jersey bei der Kleiderproduktion (Shirts) verwendet, da es sich – entgegen einem gewebten Stoff – (meistens) in eine Richtung dehnen lässt. Deshalb ist bei der Verwendung auch genau auf den Fadenlauf zu achten, da es sich sonst entweder verzieht oder falsch fällt.

Typisch für Jersey oder Strickstoff: Der Rand rollt sich ein

Bei Leinenbindung hingegen spielt es keine Rolle, ob man den Stoff in Laufrichtung benutzt oder zur Webkante hin. Der Stoff ist in beide Richtungen gleich und so kann man es im Muster benutzen wie man will (nur eben nicht schief – das geht dann schief ;-)).

Noch ein schönes Beispiel für ein gewebtes Stück Stoff.
So sieht der Stoff dann für das normale Auge aus. Oft ist im Netz nicht zu erkennen, ob es gewebt oder gestrickt ist.

Viele Baumwoll-Jerseys haben eine Beimischung aus Chemiefasern, die dem Jersey mehr Elastiziät geben und ihn z. B. in seine Ursprungsform zurück gehen lassen. (z. B. Elastan). Neben den Baumwoll-Jerseys, die vor allem in der Kinderbekleidung großen Anklang finden, sind auf den Stoffmärkten sehr viele Jerseys aus Viskose zu finden. Also einem gestrickten Stoff aus diesem oder jenem Material.

Das Wort Jersey alleine sagt nichts bzw. nur die Hälfte über den Stoff aus
und 
Baumwolle sagt nur aus, aus welchem Material der Stoff ist!

Ein Baumwollstoff könnte z. B. auch Samt, Cord, Frottee, Batist, Jeans oder Denim etc. etc. sein. 
Deshalb bezeichne einen einfachen gewebten Stoff nie nur als Baumwolle!
Begriffe aus der Welt der Stoffe habe ich schön erklärt im Glossar bei Stoffekontor gefunden. Da kann man
auch nachlesen, was z. B. Fleece oder Acetat ist.

Mit herzlichem Dank an Synke von Anna und die Tüddel-Ecke im Wolkenschloß, die extra die Bilder/Nahaufnahmen zur Veranschaulichung angefertigt hat.