Perfekt angezogen von Marie Dechanel {Buchbesprechung}

Perfekt angezogen von Marie Dechanel {Buchbesprechung}

3. Dezember 2015 20 Von Susanne Krauss
Jetzt bin ich wirklich nicht so die große Klamottennäherin. Ich muss gestehen, ich shoppe gern und probiere stundenlang an, bevor ich ein Teil kaufe. Trotzdem habe ich nun für ein Buch mit Kleidungs-Schnittmustern entschieden. 
Bei „Perfekt angezogen“  von Marie Duhamel habe ich mich direkt ins Titelbild auf dem Cover verliebt. Und noch mehr auf das Kleid auf der Rückseite. (Blick ins Buch)*. Schon seit langem habe ich nach so einem Kleid gesucht, aber keines gefunden. Oder besser gesagt: Jedes Etuitkleid, das ich im Laden anprobiert habe, hat mir einfach nicht gepasst und das Oberteil bis zur Taille war immer zu lang.
Und nach der letzten Weihnachtsfeier, bei dem gleich 3 Kolleginnen mit der selben Bluse eines mittelpreisigen Markenherstellers aufgelaufen sind, habe ich mich wieder besonnen, wieso ich damals eigentlich einen Nähkurs bei einer Damenschneiderin belegt habe:
Weil man durch Schnitt- und Stoffauswahl, mit selbst ausgesuchten Knöpfen und kleinen Accessoires wie Aufnähern, Borten und Bändern, wundervolle Unikate schaffen kann, die dann auch noch passen.
Individualität statt Uniformität (gibt es das Wort überhaupt? Egal!) 
Das wird nun der neue/alte Leitspruch! #individualitätstattuniformität

Perfekt angezogen von Marie Duhamel

11 unverzichtbare Basics – selbst genäht

Perfekt angezogen ist eine Übersetzung aus dem Französischen. Die Originalausgabe trägt den Titel „garde – robe ideal“. 
Beinhaltet sind 11 Modelle mit jeweiliger Beschreibung und Schnittmuster in Originalgröße (die Schnittbögen sind vorne und hinten im Buch eingeklebt und können leicht abgelöst werden).
Alle Designs sind von klassischem chic. Es gibt Schnittmuster für ein Kleid (das hübsche vom Cover), eine Hose, einen Schal, eine Tasche (Shopper), ein Sweatshirt, eine Bluse, einen Blazer (mit einer zweiten Variante), Unterwäsche (Short und Hemdchen / Top), einen Mantel, auch in der Ausführung als Regenmantel mit Gürtel.
Schaut unbedingt ins Buch* und entdeckt (einen Teil) der Schnitte.
Das Kapitel „Grundtechnik“ gibt einen kurzen Überblick über die wichtigsten Nähgarne, Stoffe und Nähtechniken. Natürlich kann das nur ein Crashkurs sein und kein kmpl. Nachschlagewerk, das ich aber jedem Hobbyschneider immer gerne ans Herz lege. 

„Das Bügeleisen ist die wichtigste Verbündete der Näherin“

schreibt die Autorin. Oh, wie Recht sie doch hat! Dankenswerterweise gibt sie auch gleich noch Tipps in der Kunst des Bügelns. Denn wie sagt man so schön: Gut gebügelt (und gesteckt) ist halb genäht.

Wie man ein Schnittmuster kopiert, wird gut erklärt, wobei Marie Duhamel auch hier die klassische Variante mit Papier und dem Übertragen von Naht- und Schnittlinien bevorzugt. Die Schnittlinien sind in verschiedenen Farben abgebildet, die Größen jeweils als unterschiedliche Linien.

Mir gefällt die Garderobe im Buch ausgesprochen gut, aber ich habe Euch ja oben schon erzählt, dass ich den Stil mag. Er erinnert mich an Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffany“ und auch ein bisschen an Coco Chanel. Und ob Ihr es glaubt oder nicht, ich kann die kleine Französin darin am Café vorbeihuschen sehen. Im schwarzen Kleid mit dem schmalen Mantel aus Wollstoff und mit Ballerinas mit kleinem Absatz. Ohne Strümpfe noch bis weit in den Spätherbst. Charme versprühend ob des französischen Chic, den Lidstrich akkurat gezogen und den Pagenkopf sauber frisiert aber mit frecher Lässigkeit. 
Die Modelle sind schlicht, aber nicht einfach und lassen Freiraum für eigenen Gestaltungsmöglichkeiten. Den Blazer gibt es in zwei Varianten, mal mehr klassisch, mal mehr sportlich, mit Taschen und Abnähern am Ellenbogen. Auf den Schnittmusterbögen sind die Größen 36 bis 48 vorhanden, wobei die Kleidungsstücke eher für erfahrene Näherinnen geeignet sind, denn ohne Grundkenntnisse geht es nicht. Die Arbeitsschritte sind zwar in vielen gezeichneten Schritten erklärt, aber man muss sich schon etwas mit den verwendeten Materialien auskennen und auch, welche Einlage man für was nutzen kann.
Ich habe mich am einfachsten Teil versucht, dem Sweatshirt. Das Ergebnis konntet Ihr gestern schon sehen. Beim Schnittmuster kopieren habe ich mich bereits an die Tipps der Autorin gehalten und habe vorab meine Größe auf dem Schnittmusterbogen (Mehrgrößenschnitt) mit dem Textmarker angemalt. So konnte ich sie leicht durch das Seidenpapier sehen und nachzeichnen. (Vielen Dank an Maire Duhamel für die die wiedergewonnene Erkenntnis, dass Papier so viel besser und genauer ist, als Folie. Die Rolle Papier habe ich auf dem Stoffmarkt gekauft.)
Einfach sind die leichten Schnitte nicht. Es wird sehr auf Passform geachtet und deshalb gibt es auch viele Abnäher, sogar im Sweatshirt. Da ist er wieder, der französische Chic! Denn sogar das Sweatshirt, das eigentlich eine Kastenform hat, bekommt durch die Abnäher Passform, was durch den Ausschnitt, der mit Belegen gearbeitet wird, nochmals betont wird. 
Leider hat sich aber ein kleiner Fehler ins Schnittmuster eingeschnitten, denn der Beleg für das Vorderteil gehört wohl zu einem V-Ausschnitt. Das Shirt selbst ist aber ein Rundhals. Das ist aber nicht weiter tragisch. Da der Beleg genau dem Ausschnitt entsprechen muss, kann man den Schnitt dafür ganz einfach vom Schnittmuster für das Vorderteil abnehmen.  
Einfach ein weiteres Stück Papier auf den Schnittbogen legen und die Außenkante des Halsausschnitts abzeichnen. Dann parallel dazu in 3 cm Abstand eine weitere Linie ziehen und fertig. 
Alle Teile gemeinsam bilden eine vollständige Garderobe, so ist man mit einem einzigen Buch perfekt angezogen.
Marie Duhamel
Perfekt angezogen – 11 unverzichtbare Basics selbst genäht
TOPP 6429  |  ISBN 9783772464294
Hardcover, 120 Seiten, 19,7 x 25,2 cm, Mit Schnittmusterbogen.
Link zum Buch bei Amazon* (auf der Verlagsseite)


Dieser Artikel war ursprünglich Teil der Adventskalender-Aktion von Topp/Frechverlag. Das Buch wurde mir zur Rezension zur Verfügung gestellt.