Ich bin ein Voyeur…

Ich bin ein Voyeur…

16. Februar 2012 5 Von Susanne Krauss
…ein Einkaufswagen-Voyeur.
Ich muss gestehen, dass ich unheimlich gerne in fremde Einkaufswagen schau. Was kauft der oder die gerade ein? Was gibt es zum Mittagessen oder sind da Produkte drin, die ich noch nicht kenne aber gerne einmal ausprobieren würde? Ganz sicher verrät der Inhalt des Einkaufswagens auch ganz viel über den Menschen, der ihn schiebt…oder der Inhalt des Einkaufswagens schiebt den Menschen  in eine Kategorie. (Neeeinnn, wir haben doch keine Vorurteile!). Einen Discounter hier in der Nähe besuche ich z. B. nicht mehr nach 16 Uhr (und vorher auch eher selten). Dann stehen nämlich immer ganz viele Männer in der Schlange an der Kasse, die dann eine Flasche Schnaps und ein Fertigprodukt auf das Förerband legen. (Schwups, Schublade auf, Mann rein, Schublade zu – neeeinnn, wir haben doch keine Voruteile!)
Gestern war ich leider in einem Großhandelsmarkt einkaufen. Da ist jetzt einkaufswagenluschern eher ungünstig. Der Inhalt der Wägen ist dann eher nicht normalverbraucherkompatibel. (Oder verbrauchst du in den nächsten Tagen 5-10 Paletten Eier à 30 Stück?).
Der Großteil der Kunden versorgte sich wohl für die nächsten Tagen mit Tonnen an Hackfleisch, Sekt und Cola. In den Gängen standen Hubwägen voller Süßigkeiten mit Schildern dran wie „Stadtgarde“ oder ähnliches. Und der Mittelgang war voller Großpackungen mit Bonbons (Kamelle!), die am nächsten Wochenende als Wurfgeschosse bei den vielen Umzügen, die es in der Stadt und im Umland gibt, Verwendung finden.
Obwohl mein neues Handy im hinteren Teil der metallernen Hallen keinen Empfang hatte, verliebe ich mich jeden Tag ein Stück mehr in das Teil, zu dem der nette Verkäufer „Briket“, wohl seiner Größe wegen, sagte. Denn ehrlich gesagt, traue ich mich immer noch nicht, meinen Fotoapparat immer und überall drauf zu halten. Da komm ich mir doch recht komisch vor. Aber mit so einem Handy, ganz unscheinbar in der Hand – könnten ja notizen drauf sein – lässt sich doch ganz ungeniert knipsen. 
Und weil der Göga am Samstag den Einkauf übernehmen muss, während ich zu Hause für eine Geburtstagsfeier am Sonntag den Kuchen backe, bekommt er via Bildmitteilung ganz genau gesagt, welche Erdbeeren ich haben möchte. Die restliche Einkaufsliste habe ich ganz einfach in mein Handy diktiert, während ich die Waren an den Regalen aussuchte. (Nein, ich konnte sie noch nicht einkaufen, weil sie für eine Verwendung am Sonntag (Familie kommt zum Essen) und Montag (Kindergeburtstagsfeier mit Freunden) nicht frisch genug wären.)
 

Und wenn Du Dich jetzt fragst, warum ich in einem Großhandelsmarkt einkaufen war, dann muss ich Dir klipp und klar sagen, das lohnt für Normalkunden nicht. Die Preise sind nicht niedriger und viele Sachen bekommst Du beim Discounter oder im Vollsortimenter einfach günstiger. Aber die Hochregale voller Süßigkeiten in Dosen (wie am Kiosk), die findest Du eben nur dort und die sind eine Anreise allemal wert! (Und ein paar andere Kleinigkeiten, die es im Supermarkt nicht gibt, auch).