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Aufgemöbelt {upcycling am creadienstag}

*yeah*yeah*yeah* Innerlich ertönt die Siegesmelodie *** Ich habe ihn bezwungen, den alten Stuhl. Endlich! Nach einer Odysee des Suchens und Findens und Abschmirgelns. Aber nun ist er endlich fertig. Zumindest Nr. 1 von 2 – man könnte es auch das Übungsstück nennen, denn Nr. 2 geht jetzt hoffentlich schneller.

 Heute fertig geworden, der Leim für die Borte ist auf den Bildern noch nicht ganz trocken.

 Aber so lange konnte ich mit dem Fotografieren nicht mehr warten, denn schließlich muss ich Euch noch eine Geschichte erzählen.

Eine Geschichte über einen Stuhl, der vermutlich auch selbst einen Geschichte erzählen kann. Aber dazu später.

Jetzt kommt erst die Geschichte über ein Mädchen (nennen wir es Susanne), die sich vor vielen vielen Jahren an einem Sonntag in den Niederlanden aus dem Augenwinkel heraus in einen Stuhl in einem Schaufenster verliebt hat. Nur damals wusste sie das noch nicht. Aber die Idee von einem Stuhl im Barockk oder Rokoko-Stil, dessen Bezug aber ganz und gar nicht der Epoche entspricht, lies sie von diesem Zeitpunkt an nicht mehr los. Sie durchstöberte das Internet. Immer und immer wieder. Doch nie fand sie das Objekt ihrer Begierde. Irgendwas war immer falsch. Die Farbe des Stuhles stimmte nicht, oder er war zu wuchtig, der Stoff zu öde. Also war selbermachen angesagt. Nur woher einen solchen Stuhl nehmen? Jahre vergingen, Gebrauchtwarenmärkte und Zeitungsanzeigen wurden durchforstet. Nichts. Bis an einem Dienstag im Juni letzten Jahres endlich eine Anzeige den gewünschten Erfolg brachte.

Nicht wirklich schön mit mehrere Schichten Lack in weiß und hellblau. Grüne Borte und dezent abgesessen. Aber zumindest am ehesten dem ähnelnd, was sich das Mädchen vorgestellt hatte. 
Doch die Verschönerung war gar nicht so einfach, wenn man nicht Polsterer, Restaurator oder ähnliches gelernt hat. Der Lack musste entfernt werden, was ohne Werkstatt oder Garage wetterabhängig ist. Auch der Abbeizer, der aufgetragen wurde, hatte nicht den gewünschten Erfolg. Also mussten jede Rille feinsäuberlich mit Schmirkelpapier in verschiedenen Körnungen bearbeitet werden. Der alte Bezug und gefühlte tausende Takcernadeln wurden entfernt und neuer stabiler Stoff auf dem Stoffmarkt besorgt. Der konnte aber aufgrund der Wölbung in der Rückenlehne nicht so einfach aufgezogen werden. Als wurde mit permanentem Sprühkleber experimentiert. 
Die letzten Handgriffe sind dann heute erfolgt, nachdem der Göga heute früh nochmals Holzleim besorgt hat. Der vorhandene Kleber war nicht fest genug. Der Holzleim hält nun die Borte und ist nach dem Trocknen unsichtbar. 
Ich finde, es hat sich gelohnt, dem alten Stuhl neues Leben einzuhauchen, zumal er auch eine Geschichte hat. Wenn man genau hinhört, dann kann man ihn flüstern hören. Von Promis, die schon auf ihm gesessen haben. Er stammt nämlich aus dem Frühstücksraum eines Hotels. Eines sehr bekanntes Hotels und Restaurants in der Pfalz. Und vielleicht hat auf ihm schon einmal Altbundeskanzler Helmut Kohl gesessen und den geliebten Saumagen verputzt. Oder Peter Kraus hat „Rock me, Baby!“ zu ihm gesagt, Jose Carreras auf seinen Sprungfedern sein Frühstücksei verputzt oder eines der gekrönten Häupter, die dort schon zu Besuch waren. Man weiß es nicht. Ich werde auf jeden Fall jetzt immer genau zuhören, was der Stuhl zu sagen hat, denn bei uns hat er in neuem Kleid eine neue Heimat gefunden. 
Mein Beitrag zum Creadienstag 

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