Nicht zu bloggen ist auch keine Lösung

Nicht zu bloggen ist auch keine Lösung

11. Juli 2017 9 Von Susanne

Genau einen Monat ist es jetzt her, seit mein letzter Blogpost erschienen ist. Und davor war es auch schon mal 3 Wochen still. So lange habe ich noch nie pausiert. Mal ne Woche, mal 2 in den Ferien, aber 4 Wochen am Stück ist schon lange.

Ich bin noch da, den Blog gibt es noch. Obwohl ich in letzter Zeit oft darüber nachgedacht habe, ihn stillzulegen. Einfach nicht mehr zu bloggen. Mich einfach mal in eine schöne Gartenwirtschaft zu setzen ohne darüber nachzudenken, dass ich Euch das unbedingt zeigen will.

Leer und kaputt hat sich eine gewisse Grundunzufriedenheit breit gemacht. Zwischen Arbeiten, Haushalt, über Zettel über Klassenfahrten und Praktikumsbewerbungen sitzend, ist das verloren gegangen, was ich doch am Liebsten den ganzen Tag machen würde: Schreiben, kreativ sein, nähen, basteln, entwerfen.

Seit vor 11 Jahren der erste Blogpost hier auf Pearl’s Harbor, meinem kleinen Hafen, online gegangen ist, hat sich viel verändert.
Täglich schießen neue Blogs aus dem Internet, es gibt Konferenzen und Workshops und es scheint die Mehrheit der Blogger eröffnet einen Blog um damit Geld zu verdienen oder kostenlose Produkte abzustauben. Man muss sich „eine Nische“ suchen, damit man im Haifischbecken der Klickfänger seinen Anteil sichern kann.
Gemischtwarenblogs wie meiner, gehen da eher unter. Hier werden keine heißen Themen aufgegriffen, nur um die Leserzahl in die Höhe zu treiben. Bezahlte Kooperationen bekommt man nur, wenn man genügend Seitenaufrufe vorweisen kann, aber wie die Aufrufe zusammen kommen, wen interessierts?
Es gibt Werbung, die bezahlt auf Blogs platziert wird. Dafür gibt es eine Verpflichtung, diese zu kennzeichnen. Manche Blogger halten sich daran, manche nicht, mit dem Ergebnis, dass manche ohne Werbekennzeichnung immer mehr Leser gewinnnen und andere, welche ihre bezahlte Kooperationen ordentlich kennzeichnen von Lesern dafür angepöpelt werden. Es gibt Blogs, die fast nur noch aus Werbung bestehen oder ein gesponsertes Gewinnspiel nach dem anderen veranstalten und genau deshalb viele Seitenaufrufe haben. Für Blogger ist das jetzt nichts Neues, aber ich habe hoffentlich auch Leser, die nicht selbst bloggen.
Als ich angefangen habe, war das anders. Da hat man gebloggt, weil man was zu sagen hatte oder was zeigen wollte. Da war das ein Austausch. Und wenn man Werbung auf seinem Blog gemacht hat, dann weil man was gekauft oder auch meinetwegen geschenkt bekam und man es wirklich gut fand. Also, ich mein jetzt Werbung, ohne dass sie von einer Firma initiiert wurde. So richtig ehrliche Werbung, weil man seinen Lesern, die ja meist irgendwie doch Freunde sind, sagen wollte „hey, das ist echt gut!“
Macht man das heute, muss man sich Gedanken darüber machen, ob das nun Schleichwerbung ist oder ob jemand denkt, dass es Schleichwerbung ist oder ob man das kennzeichnen muss.
Verlosungen kamen von Herzen und man hat sich mit dem Gewinner gefreut, der sich dann auch mit einer netten persönlichen Mail bedankt hat. Heute gibt es einen Gewinnspieltourismus und sogar ganze Blogger-Communitys die gesponserte Produkte verlosen, gegenseitig an Verlosungen teilnehmen und natürlich auch gewinnen und sich anschließend gegenseitig puschen. Kommen die auf einem „normalen“ Blog vorbei, dann bleiben sie natürlich nicht als Leser. Was wollen die auch mit einer Nähanleitung?

Dann hetzt Blogger x über Blogger y und Blogger sz kopiert mn und Blogger tralla ist nur erfolgreich weil….

Irgendwie macht mich das mittlerweile alles traurig. Wo ist denn die Unbekümmertheit beim Bloggen geblieben.

Ja, ich mach auch bezahlte Kooperationen. Wenig und wenn, dann gekennzeichnet. Auf jeden Fall kann ich über nichts schreiben, hinter dem ich nicht stehe. Deshalb würde es hier niemals Artikel über Käse (*grusel*) oder Alkohol (trink ich nicht) geben. Und ich habe sogar schon mal eine Fotoplattform getestet und dann eine Veröffentlichung (und damit Geld) abgelehnt, weil ich das Bestellverfahren total grottig fand und das auf gar keinen Fall meinen Lesern vorstellen wollte. Mein Blog ist also ein Minusgeschäft, mit den Einnahmen kann ich die Ausgaben nicht decken, denn Bloggen wurde im Laufe der Zeit immer professioneller. Man braucht entsprechendes Equipment und ein Kreativblog auch Maschinen und Material. Von der investierten Zeit mal gar nicht zu reden.

Ich habe mich im Kampf um Klickzahlen und Leser mitreisen lassen und auch Gefallen daran gefunden, auch mal eine Eventeinladung zu bekommen. Ehrlich, da fühlt man sich gebauchpinselt, auch wenn Ludwigshafener Blogger eher wenig berücksichtig werden.
Über dem ganzen Bloggen und den Blogpost verbreiten müssen ist ganz viel auf der Strecke geblieben. Ja, ohne Facebook etc. geht heute nichts mehr, überall muss man präsent sein. Und sind wir mal ehrlich, wenn man geschrieben hat, dann will man auch gelesen werden. Da muss gestreut werden, was das Zeug hält, damit die Klicks ein gewisses Niveau halten. Teilweise ist das echt in Stress ausgeartet. Aber Stress, den ich so wollte, mein Hobby, das mir Spaß macht. Ich kann mich nicht davon lösen, das ist wie eine Sucht. Ich frage mich, ob es dafür denn schon Selbsthilfegruppen gibt?

Mit der Gesamtsituation unzufrieden

Ich habe dann wirklich darüber nachgedacht, was mit dem Blog werden soll.
Stichwort: Gemischtwarenladen. Ich weiß genau, dass mein Blog das falsche Konzept (nämlich keins) hat. Professionelle Blogger haben Redaktionspläne, schreiben nicht von eben auf gleich, sondern planen sorgfältige und veröffentlichen regelmäßig zu bestimmten Zeiten. Auf Pearl’s Harbor gibt es das alle nicht. Aber in Pearl’s Harbor gibt es dafür viel zu viele unterschiedliche Themen.
Hier gibt es Genähtes, es gibt Rezepte und wenn wir verreist waren, dann gibt es davon auch ein Stück. Fakt ist aber, wer Pearl’s Harbor wegen den Anleitungen liest, klickt weg, wenn es um Rezepte geht. Die Reisethemen gehen gänzlich unter. Ich müsste mich auf ein Thema spezialisieren. Am besten auf eines, über das sonst noch keiner oder zumindest fast keiner schreibt. Eine Nische. Entweder oder. Nur noch nähen, die Anleitungen werden auch geklickt, wenn ich gar nichts sonst poste. Nur noch kochen und backen  (das mach ich sowieso, meist ist es aber schneller gegessen als ein Foto davon gemacht ist) und einer der unzähligen Backblogs werden, dafür aber auch ein Stück näher an Kooperationen sein, die gibt es nämlich in dem Bereich vielfältig. Und mit Kooperationen steigt auch der Bekanntheitsgrad, das ist ein echter Teufelskreis. Der Witz bei der Sache ist, würde ich mich wirklich auf ein Thema beschränken, ginge es mir vermutlich besser, sobald ich ablegen kann, nicht auch über anderes schreiben zu wollen. Aber will ich das? Es ist wie verhext.

Der Blog und ich – wir verlieren uns im Nichts

Unter dem ganzen Gegrübele habe ich einfach mal beschlossen, ich blog jetzt mal nicht und räum erst mal auf. Ich habe die letzten Wochen damit verbracht meine Knöpfe, Bänder und Stoffe zu sortieren. Eine Overlock von Juki ist hier vorübergehend eingezogen und ich hab mal wieder genäht. Ich habe mir sogar seit langem mal wieder eine Schnittmusterzeitschrift gekauft.
Vielleicht sollte ich einfach zu den Wurzeln zurück kehren. Angefangen hat der Blog als Nähblog.

Und dann ist letzte Woche was passiert, was mich zusätzlich ein bisschen aus der Bahn geworfen hat. In der Nachbarschaft hat es gebrannt und als das Feuer gelöscht war und die Feuerwehr Körbeweise nasse Klamotten gerettet hat, hab ich nur gedacht: „Würden die in meinen Schrank greifen, würden sie nur Sachen bergen, die ich nie anziehe!“

In unserem Haus ist es wie in meinem Blog, es wird alles gesammelt und gehortet.

Also haben wir alle, die kmpl. Familie, angefangen unser Leben neu zu sortieren. Ich habe meinen Kleiderschrank neu sortiert. Ich miste jedes Jahr aus, aber dieses Mal kamen auch Sachen in den Sack, die ich rein aus sentimenalen Gründen aufgehoben hatte. Es kamen die Fehlkäufe raus aus dem Schrank und die Shirts die man aufhebt, weil man vielleicht irgendwann mal eines braucht, das schmutzig werden darf.

Würde bei uns jetzt Shopping Queen gedreht, kann ich ab sofort nicht mehr mit einer Schrankleiche aufwarten. 

Mein Büro ist noch nicht ganz fertig, aber wenn sich die Nachbarschaft heute über die Berge von Kartonagen und  Papier gewundert hat, dann waren das die Umverpackungen aller Elektrogeräte (Nähmaschinen, Plotter etc.) sowie alle Nähzeitschriften die hier in den letzten 15 Jahren eingezogen sind und alle Zeitungsartikel, die ich in 6 Jahren als Freier Mitarbeiter für die Rheinpfalz geschrieben habe (und das waren viele). Die lagerten nämlich alle unterm Dach und wären ein perfektes Futter für ein Feuer gewesen.

Im Moment werden gerade alle Kinderspielsachen sortiert, die für spätere Generationen eingelagert werden und morgen wandern noch ein paar Kisten ins Sozialkaufhaus und auch wenn wir vom Minimalismus noch ein Stück entfernt sind, tut dieses Platz schaffen und aufräumen gut und fühlt sich wie eine Befreiung an.

Und wie ich hier jetzt so dasitze und die ganzen Gedanken mal so runterschreibe und dabei auch ein paar Tränchen verdrücke, da weiß ich immer noch nicht, wie ich den Blog und mich in Einklang bringe.

Aber eins ist sicher: nicht zu bloggen ist auch keine Lösung!

Und deshalb geht es hier in den nächsten Tagen auch weiter und zwar genauso durcheinander wie bisher. Und wem das zu chaotisch ist, der liest dann halt woanders.
Aber ich kann Euch verraten, ich habe wieder Lust zu schreiben und neben den ganzen vielen negativen Gedanken, hab ich auch ganz viel Tolles erlebt an dem ich Euch gerne teilhaben lassen möchte.

  • Ich war nämlich auf einem Törtchen-Backkurs von dem ich Euch unbedingt noch erzählen muss, weil ich da gelernt habe, wie man auch zumindest ein bisschen raffinierten Zucker einsparen kann.
  • Dann hat unser Bloggerstammtisch letzte Woche ein White Dinner veranstaltet und das war so toll, ich bin jetzt noch am schwärmen und dazu gibt es natürlich Bilder und auch Rezepte. Und ganz ehrlich sind es auch die Begegnungen mit so tollen Menschen, weswegen ich eigentlich total gern blogge.
  • Wir waren wieder eine Woche in Berlin und auch hiervon habe ich Euch ein paar Bilder mitgebracht und  sogar ein kleines Filmchen, damit Ihr sehen könnt, in welche Gefahr ich mich begeben habe. Es geht nämlich hoch hinaus!
  • Und dann back to the roots: Ich habe vom nähPark eine Overlock zum Testen bekommen. Ich hätte ja gerne eine neue und da kam mir das Angebot genau recht und so bin ich eine von 17 Testern, die im Moment Juki-Nähmaschinen und Overlocker unter die Lupe nehmen. Bis zum 30. September lass ich das gute Teil hier summen und mal sehen, ob wir bis dahin ein Team sind und sie da bleiben darf. 

Und wenn dann das alles, was hier noch in der Pipeline ist, verbloggt habe, dann denke ich nochmal drüber nach, ob ich nicht doch einfach nur ein Thema bediene und so auch innerlich vielleicht ein bisschen mehr Ruhe finde.