Von Veränderungen, Vorurteilen und einer Betriebsbesichtigung bei Maggi

Von Veränderungen, Vorurteilen und einer Betriebsbesichtigung bei Maggi

27. Juli 2015 12 Von Susanne Krauss

Vielleicht habt Ihr schon in den Fernsehspots gesehen, dass Maggi derzeit mit einer neuen Qualität wirbt. Und in diesem Zusammenhang habe ich vor ein paar Wochen eine Einladung ins Maggi-Werk nach Singen erhalten. Während meine Familie und Freunde gleich sagten „Fahr da hin und erzähl uns dann, was dort ins Tütchen gepackt wird“, gab es aus Bloggerkreisen dezenten Gegenwind, weil der Nestle-Konzern, zu dem Maggi gehört, ja „zu den Bösen“ gehöre.

Nunja, davon lasse mich natürlich nicht beeinflussen, höchstens anspornen. Denn ganz ehrlich, bilde ich mir meine Meinung lieber selbst, als mich mit (gekürzten) Zitaten aus alten Reportagen abzugeben. Bestimmt läuft auch bei Nestle nicht immer alles gerade, aber wo ist das heute denn wirklich so und jeder macht immer alles richtig?!  Auf jeden Fall rief die französische Umweltministerin Ségolène Royal einen Tag später zum Nutella-Boykott auf und gegen Rewe wurde bei Facebook verbal geschossen, weil ausländische Kartoffeln statt deutscher im Regal lagen etc. etc. etc. Ab Übermorgen können wir jedenfalls nichts mehr irgendwo kaufen oder essen, weil überall irgendwie geschludert wird und wir alles boykottieren müssen. Ein Hoch auf alle, die vorgesorgt und den Rasen hinterm Haus zugunsten eines Selbstversorgerbeetes geopfert haben. (Hoffentlich ist der Salat bei dem Wetter nicht vertrocknet).

Ich habe mir lange überlegt, ob ich das hier überhaupt ansprechen soll oder ob ich einfach lediglich über den Tag bei Maggi berichte. Aber da mir manchmal das „dies darf man nicht und das ist sowieso ganz übel“, alles mit Halbwissen begründet und es dann trotzdem immer noch Menschen gibt, die sich davon beeinflussen lassen, echt gelinde gesagt „auf den Sack“ geht, kann ich mich in meinem eigenen Blog ja darüber auslassen.
Vielleicht habe ich auch schon zu viel erlebt, schließlich bin ich keine 20 mehr. Ich habe schon so viele Veränderungen mitgemacht. Alleine wenn ich mir unsere Hochzeitsbilder ansehe, so würde heute niemand mehr fotografieren. Die Mode hat sich geändert, keiner baut mehr mit asbesthaltigem Material, gute Schuhe sind nicht mehr nur aus Leder und auch unsere Esskultur hat sich grundlegend geändert. Bei unserem Bäcker gab es früher in der Mittagspause belegte Brötchen, wenn da ein Blatt Salat anstatt einer Essiggurke drauf war, war das schon ein Ereignis. Graubrot gab es nur von Muttern beschmiert. Heute findet man aber sogar vegan belegte Eiweißbrote in der Auslage.

In den 80er Jahren gab es in Deutschland mal eine Fastfoodkette namens Wendy. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch daran? Wendy machte seine Hamburger frisch und es gab eine Salatbar. Ich weiß noch, dass unsere Ma mit uns gerne zu Wendys in Worms ging, weil sie einen frischen Salat essen konnte und wir Kinder bekamen trotzdem einen Hamburger. Damals konnte Wendy nicht mit dem schnellen McDonalds und seinen vorgefertigten Patties konkurrieren und musste sich vom deutschen Markt zurückziehen.

So war das damals. Es gab einen Wandel, die Mütter fingen an zu arbeiten und blieben nicht mehr Vollzeit zuhause und die Zeit musste unter anderem beim Kochen eingespart werden.  Backmischungen wurden Trend und Convenience Produkte hielten Einzug. Der moderne Haushalt kochte so, das war bequem. Heute ist das alles rückläufig. Mütter überbieten sich gegenseitig bei den Give-aways bei Kindergeburtstagen und zaubern wieder frische Menüs, möglichst ausgefallen und es tauchen neue Nahrungsmittel auf. Fragt mal Eure Mütter oder Großmütter was Quinoa ist oder ob sie schonmal Overnight oats zubereitet haben. Aus „Essen bei Muttern“ wurde Fastfood und nun kommt wieder Slowfood und wenn Fastfood, dann natürlich nur gesund auf Vollkornbrot oder als low-carb-Version. Alles verändert sich kontinuierlich.

Aber bei Maggi kommen dann auch heute noch so Aussagen wie „da ist ja überall Glutamat drin“ (obwohl das so gar nicht mehr stimmt) oder noch schlimmer, da es gar nicht Maggi direkt betrifft sondern den Konzern zu dem Maggi gehört „Nestle kommerzialisiert Wasser“. Sicher, da ist auch Wahrheit drin, aber eine Wahrheit, die wie alles andere auch, sich einem ständigen Wandel unterzieht. Nichts ist mehr so, wie vor 20 Jahren und auch große Firmen unterziehen sich Veränderungen, passen sich der Mode an oder werden vielleicht sogar einsichtig, dass manches, so wie es früher lief und vielleicht auch von der Kundschaft gefordert wurde, einfach nicht mehr zeitgemäß ist.

Auf jeden Fall hab ich beschlossen, die Einladung von Maggi anzunehmen und mir die Produktion in Singen anzusehen und vielleicht zu erfahren, was denn da so tatsächlich ins Tütchen kommt oder was es denn auch bei Maggi für Änderungen gibt.

Ich muss gestehen, dass ich die Maggi-Würzmischungen nicht nutze, aber ich ess auch keinen Käse, das heißt aber noch lange nicht, dass er deshalb schlecht oder ungesund sein muss, das kommt schließlich auf den Geschmack an. Ich versteh auch, wenn jemand die Einladung nicht annimmt oder kein Interesse an der Materie hat. Schließlich bedeutet so eine Reise einen zeitlichen Aufwand oder bei festangestellten Bloggern auch, dass man im Hauptjob Urlaub nehmen muss, für den es keinen finanziellen Ausgleich gibt. Trotzdem muss man es dann ja nicht schlecht reden. Für mich steht jedoch fest, dass, wenn ich so eine Einladung annehme, dies unvoreingenommen mache und objektiv berichten werde, so wie ich das immer mache. Kritische Nachfragen entstehen dann während der Reportage. Und warum da wohl einige Blogger meinten, es wäre ihnen peinlich, mit Maggi in Verbindung gebracht zu werden, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn man objektiv über etwas berichtet, dann braucht man sich für nichts zu schämen.

Ich schäm mich jetzt höchstens für das Doppelkinn auf dem Bild.
Ne, ne, ich mach jetzt keine Maggi-Werbung. Das war nur ein Fotoshooting zum Spaß. Und Ihr wisst ja, dass ich lieber hinter der Kamera stehe als davor.

Mein Mann sagte jedenfalls gleich „Ich bin mit Maggi aufgewachsen, das ist der Geschmack meiner Kindheit, kannst mich ruhig zitieren“ (was ich hiermit getan habe) und „mach das ruhig, wir wuppen den Rest“.

Also haben wir sämtliche Termine umdisponiert und ich bin aus Eigeninteresse mit dem Zug nach Konstanz gefahren, habe mir in Singen zusammen mit einigen anderen Bloggern die Produktion der Ravioli angeschaut, wir durften in die Küche in der die Rezepte entwickelt bzw. derzeit verfeinert und verbessert werden und haben erfahren, welchen Aufwand Maggi betreibt, bis ein Produkt marktreif ist. Außerdem wurde uns erzählt, wie Maggi gerade an einer nachhaltigen Rohstoffbeschaffung arbeitet. Das war alles sehr interessant und davon erzähl ich Euch morgen.

Wie sieht es mit Euch aus? Benutz Ihr Maggi und wenn ja was? 

Ich habe mich mal ein bisschen umgehört und bei den Familien mit Kindern steht das Maggi fix für Nudel-Schinken-Gratin hoch im Kurs während es bei den Älteren wohl das für Chilli con Carne ist.