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Von Veränderungen, Vorurteilen und einer Betriebsbesichtigung bei Maggi

Vielleicht habt Ihr schon in den Fernsehspots gesehen, dass Maggi derzeit mit einer neuen Qualität wirbt. Und in diesem Zusammenhang habe ich vor ein paar Wochen eine Einladung ins Maggi-Werk nach Singen erhalten. Während meine Familie und Freunde gleich sagten „Fahr da hin und erzähl uns dann, was dort ins Tütchen gepackt wird“, gab es aus Bloggerkreisen dezenten Gegenwind, weil der Nestle-Konzern, zu dem Maggi gehört, ja „zu den Bösen“ gehöre.

Nunja, davon lasse mich natürlich nicht beeinflussen, höchstens anspornen. Denn ganz ehrlich, bilde ich mir meine Meinung lieber selbst, als mich mit (gekürzten) Zitaten aus alten Reportagen abzugeben. Bestimmt läuft auch bei Nestle nicht immer alles gerade, aber wo ist das heute denn wirklich so und jeder macht immer alles richtig?!  Auf jeden Fall rief die französische Umweltministerin Ségolène Royal einen Tag später zum Nutella-Boykott auf und gegen Rewe wurde bei Facebook verbal geschossen, weil ausländische Kartoffeln statt deutscher im Regal lagen etc. etc. etc. Ab Übermorgen können wir jedenfalls nichts mehr irgendwo kaufen oder essen, weil überall irgendwie geschludert wird und wir alles boykottieren müssen. Ein Hoch auf alle, die vorgesorgt und den Rasen hinterm Haus zugunsten eines Selbstversorgerbeetes geopfert haben. (Hoffentlich ist der Salat bei dem Wetter nicht vertrocknet).

Ich habe mir lange überlegt, ob ich das hier überhaupt ansprechen soll oder ob ich einfach lediglich über den Tag bei Maggi berichte. Aber da mir manchmal das „dies darf man nicht und das ist sowieso ganz übel“, alles mit Halbwissen begründet und es dann trotzdem immer noch Menschen gibt, die sich davon beeinflussen lassen, echt gelinde gesagt „auf den Sack“ geht, kann ich mich in meinem eigenen Blog ja darüber auslassen.
Vielleicht habe ich auch schon zu viel erlebt, schließlich bin ich keine 20 mehr. Ich habe schon so viele Veränderungen mitgemacht. Alleine wenn ich mir unsere Hochzeitsbilder ansehe, so würde heute niemand mehr fotografieren. Die Mode hat sich geändert, keiner baut mehr mit asbesthaltigem Material, gute Schuhe sind nicht mehr nur aus Leder und auch unsere Esskultur hat sich grundlegend geändert. Bei unserem Bäcker gab es früher in der Mittagspause belegte Brötchen, wenn da ein Blatt Salat anstatt einer Essiggurke drauf war, war das schon ein Ereignis. Graubrot gab es nur von Muttern beschmiert. Heute findet man aber sogar vegan belegte Eiweißbrote in der Auslage.

In den 80er Jahren gab es in Deutschland mal eine Fastfoodkette namens Wendy. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch daran? Wendy machte seine Hamburger frisch und es gab eine Salatbar. Ich weiß noch, dass unsere Ma mit uns gerne zu Wendys in Worms ging, weil sie einen frischen Salat essen konnte und wir Kinder bekamen trotzdem einen Hamburger. Damals konnte Wendy nicht mit dem schnellen McDonalds und seinen vorgefertigten Patties konkurrieren und musste sich vom deutschen Markt zurückziehen.

So war das damals. Es gab einen Wandel, die Mütter fingen an zu arbeiten und blieben nicht mehr Vollzeit zuhause und die Zeit musste unter anderem beim Kochen eingespart werden.  Backmischungen wurden Trend und Convenience Produkte hielten Einzug. Der moderne Haushalt kochte so, das war bequem. Heute ist das alles rückläufig. Mütter überbieten sich gegenseitig bei den Give-aways bei Kindergeburtstagen und zaubern wieder frische Menüs, möglichst ausgefallen und es tauchen neue Nahrungsmittel auf. Fragt mal Eure Mütter oder Großmütter was Quinoa ist oder ob sie schonmal Overnight oats zubereitet haben. Aus „Essen bei Muttern“ wurde Fastfood und nun kommt wieder Slowfood und wenn Fastfood, dann natürlich nur gesund auf Vollkornbrot oder als low-carb-Version. Alles verändert sich kontinuierlich.

Aber bei Maggi kommen dann auch heute noch so Aussagen wie „da ist ja überall Glutamat drin“ (obwohl das so gar nicht mehr stimmt) oder noch schlimmer, da es gar nicht Maggi direkt betrifft sondern den Konzern zu dem Maggi gehört „Nestle kommerzialisiert Wasser“. Sicher, da ist auch Wahrheit drin, aber eine Wahrheit, die wie alles andere auch, sich einem ständigen Wandel unterzieht. Nichts ist mehr so, wie vor 20 Jahren und auch große Firmen unterziehen sich Veränderungen, passen sich der Mode an oder werden vielleicht sogar einsichtig, dass manches, so wie es früher lief und vielleicht auch von der Kundschaft gefordert wurde, einfach nicht mehr zeitgemäß ist.

Auf jeden Fall hab ich beschlossen, die Einladung von Maggi anzunehmen und mir die Produktion in Singen anzusehen und vielleicht zu erfahren, was denn da so tatsächlich ins Tütchen kommt oder was es denn auch bei Maggi für Änderungen gibt.

Ich muss gestehen, dass ich die Maggi-Würzmischungen nicht nutze, aber ich ess auch keinen Käse, das heißt aber noch lange nicht, dass er deshalb schlecht oder ungesund sein muss, das kommt schließlich auf den Geschmack an. Ich versteh auch, wenn jemand die Einladung nicht annimmt oder kein Interesse an der Materie hat. Schließlich bedeutet so eine Reise einen zeitlichen Aufwand oder bei festangestellten Bloggern auch, dass man im Hauptjob Urlaub nehmen muss, für den es keinen finanziellen Ausgleich gibt. Trotzdem muss man es dann ja nicht schlecht reden. Für mich steht jedoch fest, dass, wenn ich so eine Einladung annehme, dies unvoreingenommen mache und objektiv berichten werde, so wie ich das immer mache. Kritische Nachfragen entstehen dann während der Reportage. Und warum da wohl einige Blogger meinten, es wäre ihnen peinlich, mit Maggi in Verbindung gebracht zu werden, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn man objektiv über etwas berichtet, dann braucht man sich für nichts zu schämen.

Ich schäm mich jetzt höchstens für das Doppelkinn auf dem Bild.
Ne, ne, ich mach jetzt keine Maggi-Werbung. Das war nur ein Fotoshooting zum Spaß. Und Ihr wisst ja, dass ich lieber hinter der Kamera stehe als davor.

Mein Mann sagte jedenfalls gleich „Ich bin mit Maggi aufgewachsen, das ist der Geschmack meiner Kindheit, kannst mich ruhig zitieren“ (was ich hiermit getan habe) und „mach das ruhig, wir wuppen den Rest“.

Also haben wir sämtliche Termine umdisponiert und ich bin aus Eigeninteresse mit dem Zug nach Konstanz gefahren, habe mir in Singen zusammen mit einigen anderen Bloggern die Produktion der Ravioli angeschaut, wir durften in die Küche in der die Rezepte entwickelt bzw. derzeit verfeinert und verbessert werden und haben erfahren, welchen Aufwand Maggi betreibt, bis ein Produkt marktreif ist. Außerdem wurde uns erzählt, wie Maggi gerade an einer nachhaltigen Rohstoffbeschaffung arbeitet. Das war alles sehr interessant und davon erzähl ich Euch morgen.

Wie sieht es mit Euch aus? Benutz Ihr Maggi und wenn ja was? 

Ich habe mich mal ein bisschen umgehört und bei den Familien mit Kindern steht das Maggi fix für Nudel-Schinken-Gratin hoch im Kurs während es bei den Älteren wohl das für Chilli con Carne ist.

12 Kommentare

  • Fabulatoria

    Sagen wir doch wie es ist: Das Kochrepertoire meiner Mutter umfasste etwa 10 Gerichte die regelmäßig gekocht wurden. Sie konnte sicher auch anderes, aber bei einer 5 köpfigen Familie ist es ja nicht immer so einfach alle unter einen Hut zu bringen. Und meine Mutter hatte kochen noch in der Schule gelernt. Und dann kam Maggi-fix. Das veränderte unsere Speisen und neue Lieblinge kamen dazu. Darunter Nudel-Schinken-Gratain und Lasagne ;o) Ich hab mit Maggi-fix sozusagen kochen gelernt. Ob ich Maggi nun mag oder nicht, ich kann das ruhig zugeben und denke andere Leute in meinem Alter hatten ggf. ähnliche Erfahrungen. Heute würde ich nicht mehr mit Maggi kochen, aber das liegt nicht am Image von Nestle. Durch Paleo verzichte ich auf alle Zusatzstoffe und Zucker. Und die sind leider dennoch in Massen in Maggiprodukten enthalten. Das können die leider nicht schönreden ;o) Trotzdem bin ich auf deine Berichterstattung gespannt. Immerhin habe ich meine Kochkünste über die Jahre weiter geübt auch ohne Maggi-fix und wenn ich mich ändere, wieso sollen Konzerne das nicht auch können?

    Liebe Grüße, Carmen

    • Susanne Krauss

      Ach Carmen, das stimmt, früher lernte man Kochen noch in der Schule. Das lernen die meisten leider nicht mehr. Und das stimmt, es ist Zucker in den Produkten. Warum das so sein muss, weiß ich auch nicht.

  • Flockensahne

    Was es schon immer im Haushalt meiner Mutter gab und bis heute auch immer bei mir zu finden ist ist die flüssige Maggiwürze in der braunen Flasche. Tütensuppe gabs bei uns nie und die Maggi Fix Produkte wurden als sie aufkamen auch mal getestet aber meine Mutter war Hausfrau und hatte dementsprechend noch Zeit um herkömmlich zu kochen.
    Da ich immer voll berufstätig war waren die Fix Produkte fester Bestandteil meiner Küche denn es war nicht immer Zeit um stundenlang zu kochen. Mittlerweile arbeite ich nur noch 30 Stunden die Woche und habe mehr Zeit und die nehme ich mir auch um bewusster und nachhaltiger zu kochen, auch aus gesundheitlichen Gründen versuche ich weitgehenst auf Fertigprodukte zu verzichten. Ich denke aber dass sich auch die Konzerne ihre Gedanken machen und versuchen mehr auf die Gesundheit zu achten, das sieht man daran dass die Geschmacksverstärker aus den meisten Packungen verschwunden sind.

    • Susanne Krauss

      Das aus vielen Produkten der Geschmacksverstärker verschwunden ist, ist leider an vielen vorbei gegangen. Wir konnten ja wegen dem Göga und der Allergie nie ein Fertigprodukt kaufen, weil das immer ein E bei den Inhaltsstoffen war. Das sieht man heute fast garnicht mehr.

  • Yvonne

    Ach, diese Gegenwindleute sind immer gleich da um den moralischen Zeigefinger zu heben. Und in der Tat ist es manchmal anstregend mit diesen ganzen zuckerfrei, Paleo, Vegan und glutenfreien Essen umzugehen.
    Da fühlt man sich ja schon schlecht, wenn man an der Supermarktkasse diese kleinen Tütchen auf's Band legt.
    Ich persönlich mag die Ravioli. Manchmal sogar kalt aus der Dose 🙂

    Yvonne

  • Jennifer Schaper

    Liebe Susanne

    das hast du wunderbar geschrieben! Und schön, dass du unvoreingenommen hingefahren bist und ich bin auf deinen weiteren Bericht gespannt!

    Bei uns gibts auch mal Maggi Fix. Und zwar das für Gulasch und (sogar heute grad auf dem Tisch) das für Rouladen. Nicht, weil ich dafür nicht selbst Gewürze mischen könnte, sondern auch weil es eben wie bei Muttern schmeckt, denn diese beiden Fixe gabs schon bei meiner Mama 🙂

    Und hin und wieder brauchen wir für Suppen auch die braune Maggi-Aroma-Flasche.

    Sonst gibts es mittlerweile hier keine Fix-Packungen mehr. Das ist leider dem Umstand geschuldet, dass sie die Portionen kleiner gemacht haben und die Tüten nur noch für 3 Portionen gedacht sind. Da wir aber 6 Leute sind, die hier am Tisch sitzen und Hunger haben, ist es mir schlicht zu teuer, wenn ich 2 von den Tüten brauche. Daher gibts bei uns einfache, schnelle und leckere Rezepte ohne Fix.

    Liebe Grüße, Jennifer

  • sabine

    In der Küche meiner Mutter durfte die Maggieflasche nicht fehlen. Ich kann gut ohne seit ich die Vielfalt der Gewürze entdeckt habe. Es interessiert mich jetzt aber schon mal, wenn ich die Gelegenheit habe, jemand zu fragen,. Was ist drin in den Ravioli? Ich hab Dir ja auf Insta geschrieben, dass ich sie nicht mag. Das rührt sicher auch daher, dass ich mir die seltsamsten Vorstellungen mache, womit sie gefüllt sein könnten.
    Lieben Gruß
    Sabine

  • Tanja

    Zu den Overnight Oats: Die hat schon meine Uroma ständig gegessen, nur nicht so genannt. 😉 Aber ich kenn' (und mag) das seit klein auf und finde es aktuell eher amüsant, dass teils dieselben Bekannten, die meine Haferflocken-Frühstücke früher als "wäh, bah, igitt, Haferflocken!" abgetan haben, doch sofort dem Overnight-Oats-Hype verfallen sind.

    Was Maggi angeht: Ich habe ehrlich gesagt gar keine Ahnung, was die abseits der Fix-Tütchen überhaupt noch anbieten. Dosenravioli mag ich ab und an zwar ganz gerne, aber da nehme ich in der Regel einfach die Eigenmarke des nächsten Discounters.
    Fix-Tütchen benutze ich gar nicht, deren Sinn erschliesst sich mir auch nicht, ich verstehe einfach nicht, warum ich auf Gewürzmischungen zurückgreifen soll anstatt selbst zu verschiedenen Gewürzen zu greifen. Da erspare ich mir vielleicht ein paar Handgriffe, aber zum Einen ist das Gewürzfach eh direkt über dem Herd und zum Anderen finde ich diese Fertigmischungen auch einfach ungemein teuer. Da ist ein gutgefülltes Gewürzregal ja klar günstiger und langlebiger.
    Und ich mag die zu plündernden Kräutertöpfchen auf der Fensterbank, auch in Griffweite neben dem Herd, zudem zu gerne! 😉

    Also ich brauch Maggi jetzt nicht unbedingt. Hege aber auch keine tiefen oder auch nichtsotiefen Aversionen gegen die Firma.

    LG,
    Tanja

  • Susanne Krauss

    Ach herje, da siehst mal, das Overnight Oats oder die Haferflocken sind total an mir vorbei gegangen. Ich ess keine Milchprodukte und so ganz ohne sind mir Haferflocken zu staubig ;-).
    Und bei Maggi war ich auch erstaunt, ich habe das auch immer mit den Tütchen verbunden. Ich habe aber gestern gezielt im Supermarkt geschaut, da gibt es ja mittlerweile außer Soßenpulvern und Fix-Produkten auch Fertignudeln und Gerichte. Das wusste ich bisher auch nicht.
    Ansonsten halte ich es genau wie Du, ich koche und würze selbst. Aber wenn ich mal nicht da bin, dann leg ich für die Kinder oder dem Göga auch mal ein Tütchen bereit.
    Liebe Grüße aus der Pfalz!

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